Vereinsgeschichte



2007 feiert der BVSV Ingolstadt sein 50 jähriges Bestehen.


Das gibt wieder einmal eine Gelegenheit, zurückzublicken, wie sich alles entwickelt hat.

Sportbegeisterte Kriegsbeschädigte trafen sich bereits des öfteren im damaligen Volksbad, um zumindest gemeinsam Schwimmen zu können.
Schon mehr als zehn Jahre waren nach Kriegsende vergangen, als sich diese vom Krieg versehrten Kameraden trotz ihrer Behinderung Gedanken machten, wie man bei Sport, Spiel und Geselligkeit mehr daraus machen könnte.

Durch Gespräche mit dem betroffenen Personenkreis stellte man fest, dass doch noch sehr viele Hemmungen abgebaut werden mussten. Am besten konnte man dieses in der Gemeinschaft erreichen. Die Lösung hierfür konnte nur heißen, einen eigenen Verein ins Leben rufen.

Was ist vom Anfang überliefert?
Für diese Gemeinschaft brauchte man sportbegeisterte Kameraden, die auch bereit waren, ein wenig Papierkram und Formalitäten zu erledigen. Erste Starthilfe gab der VdK, indem dieser half, die Stellen ausfindig zu machen, welche zuständig waren um überhaupt beginnen zu können. Anton Binner gab sich große Mühe, die ersten Verbindungen mit dem Bayerischen Versehrten-Sportverband, Versorgungsamt und mit anderen staatlichen Stellen aufzunehmen.
In der gleichen Zeit nahm Alfred Hermann Kontakte mit der Stadt Ingolstadt auf. Der Verein brauchte Zugang zu Übungsplätzen, um einen geregelten Sportbetrieb aufnehmen zu können. Neben dem Schwimmen sollte bald auch Tischtennis angeboten werden.

Der nächste Schritt war, genügend Interessenten zu finden. Dieses geschah durch persönliche Ansprache und auch dadurch, dass beim VdK und dem Reichsbund für Kriegs- und Zivilbeschädigte geworben wurde.

Wahl der 1. Vorstandschaft
Endlich kam es zur ersten Zusammenkunft. Sie fand am 25. Juli 1957 in der Gaststätte Drei Mohren statt. An diesem Abend waren immerhin 30 Interessenten erschienen und von diesen gab der größte Teil seine Zustimmung, einen eigenen Verein ins Leben zu rufen.
Daher wurde noch am gleichen Abend eine provisorische Vorstandschaft gewählt. Diese setzte sich zusammen:
1. Vorsitzender Anton Binner ; 2. Vorsitzender Alfred Hermann ; 1. Schriftführer Gerhart Schmitt ; 1. Kassier Georg Angene ; Sportwart Willi Obermeyer.
Wenige Wochen danach kam es zur Gründungsversammlung, damals als VSV, in der auch der Bezirksvorsitzende von Oberbayern, Dr. Kurt Rudhart anwesend war. Bei der Wahl der endgültigen Vorstandschaft wurden die gleichen Sportkameraden gewählt, die sich schon einige Wochen zuvor dazu bereit erklärt hatten.

Nun galt es auch den Sportbetrieb aufzunehmen und ein möglichst reichhaltiges Angebot an Sportarten anzubieten. Dem Verein standen in den ersten Wochen jedoch noch keine Übungsstätten zur Verfügung.
Wieder konnte der VdK helfen und zwei kleine Räume bereitstellen, so dass wenigstens die Tischtennisspieler beginnen konnten. Aber die Freude, spielen zu können, sollte nur von kurzer Dauer sein, denn diese Räume mussten bald danach anderweitig vermietet werden. Zum Glück hatten inzwischen die Verhandlungen mit der Bundeswehr Erfolg gebracht und die TT-Freunde konnten in die Kaserne an der Manchinger Straße umziehen. Hier war genügend Platz, um auf mehreren Tischen üben zu können.

Dank dieser günstigen Voraussetzungen konnten die TT-Spieler ihre Leistungen steigern, so dass es auch möglich war, an Turnieren teilzunehmen. Mit viel Freude und ein wenig Stolz wurden die ersten Siege heimgebracht. Hiermit war erwiesen, dass durch "Sich-selbst-besiegen", durch Anspannung aller körperlichen und geistigen Kräfte, auch dem Behinderten sportliche Erfolge möglich sind.
Unvergessen bleibt der TT-Wanderpokal, welcher alljährlich in der Pionierkaserne ausgetragen wurde. An dieser Stelle möchte der BVSV den zuständigen Herren der Standortverwaltung danken für die hervorragende Organisation und Hilfsbereitschaft, welche insbesondere bei der Austragung von Turnieren dem Verein zuteil wurde.

Auch die Stadt Ingolstadt kam den Versehrten entgegen, indem sie dem Verein kostenlos Turnhallen und Schwimmbecken zur Verfügung stellte. Dadurch konnte der Verein sein sportliches Angebot vergrößern. Schwimmen, Gymnastik und Sitzball kamen hinzu.

Schwimmen hatte zunächst die größte Anziehungskraft. Schon bei den ersten Übungen war ein großer Andrang. Die Beliebtheit des Schwimmens hielt alle Jahre hindurch an bis in die heutige Zeit. Der Sport im Wasser hat Gott sei Dank nach wie vor große Anziehungskraft für Alt und Jung. Dem Verein war es gelungen für diesen Sport geeignete Übungsleiter zu gewinnen. Lange Jahre dirigierte Herr Werner Leicht die Wasserratten, und heute haben wir mit Harald Höbusch erneut einen engagierten Leiter für diese Abteilung.

Alle Übungsleiter, ganz gleich welcher Sportart, wurden und werden im übrigen laufend auf Kursen und Lehrgängen geschult. Der Verein kann sich glücklich schätzen, auch heute noch - oder wieder - ein knappes Duzend fachlich ausgebildeter Übungsleiter und darüber hinaus auch weitere ehrenamtliche Helfer in den Reihen zu haben.

Dass über die Jahre eine harmonische Zusammenarbeit zwischen Vorstandschaft, Übungsleiter und Mitglieder bestand, zeigte sich auch darin, dass von den ehrenamtlichen Helfern manche schon über mehrere Jahrzehnte lang im Dienste des Vereins stehen. Durch diese Kontinuität konnten auch immer wieder überregionale Erfolge gefeiert werden. Neben solidem Breitensport, der natürlich die Basis für den Versehrten- und Behindertensport ist, war auch Spitzensport möglich. Was hier an Höchstleistungen und Erfolgen erzielt wurde, kommt in den Berichten der einzelnen Abteilungen in dieser Festschrift zum Ausdruck.

Eine Sportart, welche eigens für Behinderte geschaffen wurde, ist Sitzball, besonders geeignet für Beinamputierte. Mit welcher Begeisterung und Hingabe die Sitzballer bei der Sache waren, zeigte sich darin, dass Spieler bis zu 30 Kilometer nach Ingolstadt gefahren sind, um ja keinen Übungsabend auszulassen. Leider hat das Interesse für diese Sportart inzwischen nachgelassen, bzw. sind die aktiven Teilnehmer der Anfangsphase inzwischen zu alt geworden, so dass wir momentan keine Abteilung für Sitzball mehr haben.

Damit ist die Palette der sportlichen Betätigung im Verein noch nicht zu Ende. Im Sommer, wenn auch im bescheidenen Umfang, stand über Jahre auch Leichtathletik auf dem Programm. Leider haben wir zur Zeit auch in diesem Bereich keine Aktivitäten.

Im Winter dagegen bietet sich die Möglichkeit im herrlich gelegenen BVS-Sportheim in Unterjoch Skibob oder auch anderen Skisport zu betreiben und auch Gymnastik ist beim BVSV sehr beliebt. Im Winterhalbjahr die ideale Vorbereitung für den Sport im Schnee und ein Treffpunkt für alle Wintersportler, und im Sommerhalbjahr Training für das Wandern und Radfahren.

Vielen Abteilungen haben wir jetzt bereits unsere Aufmerksamkeit geschenkt. Eine Abteilung darf nicht vergessen werden, auch wenn diese ebenfalls zur Zeit leider keine aktiven Mitglieder hat. Der Sport unserer Blinden. Ein Außenstehender wird kaum merken, dass diese Sportler nicht sehen können. Es hat Jahre gegeben, in denen diese Gruppe besonders stark war, und in denen bei Wettkämpfen auch beachtliche Erfolge errungen wurden.

Rollstuhlsport
Im Jahre 1989 wurde eine eigene Rollstuhlsport-Abteilung gegründet. Initiator war der durch seine vielen sportlichen Erfolge im Schwimmen und Monoski bekannte Peter Wiedemann, der dann zum Abteilungsleiter gewählt wurde. Die hauptsächlich betriebene Sportart dieser Abteilung ist Rollstuhlbasketball, aber auch Monoski wird angeboten.

Radfahren und Wandern
Nachdem gerade für die Senioren Radfahren und Wandern immer beliebter wurden, gründete der BVSV Ingolstadt 1994 ebenfalls eine eigene Abteilung , die von Heiner Langermeier geführt wird. Der Verein kaufte vier Tandems, um auch den blinden Sportlern eine weitere, neue sportliche Möglichkeit zu bieten.
Altersbedingt ist die Abteilung der Radfahrer in der Zwischenzeit auch geschrumpft und engagiert sich mehr der Fortbewegung zu Fuß.

Geselligkeit im eigenen Heim
Sport unter Behindertenbedingungen ist das Hauptanliegen des Vereins. Aber auch die Geselligkeit, das gemütliche Beisammensein, darf nicht zu kurz kommen. Jahrelang standen dafür die Räume des Schwabenbräus zu Verfügung. Sogar die TT-Abteilung hatte reichlich Platz um üben zu können. Aber vor Bezug musste diese Anlage zuerst einmal gründlich instandgesetzt werden. Großen Anklang fanden hier die Faschingsveranstaltungen und mit heller Begeisterung nahmen auch die Kinder und Jugendliche an den Nikolausfeiern teil.
Viele Mitglieder haben etliche Stunden ihrer Freizeit dafür geopfert, um den Räumen ein angenehmes, freundliches Aussehen zu geben, bis auch diese Räume zu unserem Leidwesen wieder freigemacht werden mussten.

Es sollten noch Jahre vergehen, bis endlich der Verein 1974 in sein eigenes Heim einziehen konnte. Um dieses Ziel zu erreichen, haben Vorstandschaft und Mitglieder in uneigennütziger Weise dazu beigetragen, indem gespart wurde, soweit es nur ging. Viele Sportler haben auf ihre Fahrtkostenerstattung verzichtet, Startgebühren und sonstige Unkosten selbst bezahlt. Sehr lange Zeit haben die Sportärzte und Übungsleiter auf ihre Zuwendungen verzichtet, nur mit dem Ziel, endlich eine eigene Bleibe zu bekommen. Dann war es soweit und der Verein konnte in sein eigenes Heim einziehen.


Die TT-Freunde können seither dort auf zwei Platten üben, wann sie Lust und Liebe dazu haben.
Und in liebevoller Arbeit haben die Mitglieder das „Stüberl“ hergerichtet, um dort in gemütlichen Stunden zur Festigung des Zusammenhalts beisammensitzen zu können.
Die vielen Pokale und Wimpel, die bei sportlichen Begegnungen errungen wurden, schmücken die Wände über den gemütlichen Sitzecken. Und auch dem "Denksport", in Form des Kartenspielens, war jetzt eine Möglichkeit geboten.
Dank der unermüdlichen Bemühungen unsere zweiten Vorsitzeden Johann Rasch haben wir in unserem Vereinsheim seit einigen Jahren inzwischen auch modernen Komfort; einen trittsicheren und sporttauglichen Boden und auch behindertengerechte Toiletten und Duschen.

Ein Ausnahmeereignis, das wir nicht vergessen sollten, war die Ausrichtung der Europäischen Tischtennismeisterschaften 1983 für Behinderte in Ingolstadt.
Der damalige Präsident des Behinderten- und Versehrten-Sportverbandes, Dr. Kurt Rudhart, hatte sich dafür eingesetzt, diese Spiele nach Ingolstadt zu bekommen.
21 Nationen mit insgesamt 320 Aktiven nahmen daran teil. In enger Zusammenarbeit mit dem damaligen Landesfachwart für Tischtennis, Heinz Maraun, gelang es diese Großveranstaltung mit allein 153 Rollstuhlsportler/innen zu organisieren. Auch nach über 20 Jahren bleibt für alle Beteiligten die Erinnerung an ein einmaliges Erlebnis.

Da die Kriegsbeschädigten Mitglieder immer weniger wurden, musste sich die Vorstandschaft Gedanken machen über die weitere Entwicklung des Vereins. Immer mehr Zivil- und Unfallbehinderte wurden aufgenommen und bestimmten das sportliche Geschehen. Damit verbunden war die Umbenennung des Versehrten-Sportvereins „VSV“ in Behinderten- und Versehrten-Sportverein Ingolstadt - „BVSV“ im Jahre 1987.

Nach über 20 Jahren Aufbauarbeit legte der 1. Vorsitzende Hans Hagn sein Amt nieder und wurde auf Grund seiner langjährigen und erfolgreichen Tätigkeit zum EHRENVORSITZENDEN gewählt. Sein Nachfolger wurde 1989 der bisherige zweite Vorsitzende Albert Fink, der nach sechs Jahren aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr kandidierte. So wurde bei der Mitgliederversammlung 1995 der TT-Abteilungsleiter Heinz Maraun zum 1. Vorsitzenden gewählt, der dieses Amt ebenfalls 6 Jahre unermüdlich bekleidete, um es dann im Jahr 2001 an den jetzigen Vorsitzenden, Gerhard Gmeiner, zu übergeben.

Jugend
Dank des Geschicks von Heinz Maraun, der den jetzigen 1. Vorstand Gerhard Gmeiner bereits im Jahr 1997 als Jugendabteilungsleiter gewinnen konnte und den sportlichen Rollstuhlfahrern Gustav Gross, Peter Wiedemann und später auch Frank Westenberger gelang es auch den Nachwuchs, insbesondere im Rollstuhlsport zu fördern. Über das Schwimmen und durch eine Gemeinschaft von Eltern mit behinderten Kindern kam bis ins Jahr 1999 bereits eine ansehnliche Schar junger Behinderter zusammen, die gemeinsam Sport betrieben.


Ein Großteil davon sind auch heute als junge Erwachsene dem Sport treu geblieben.

Diabetes-Sport
Die ebenfalls seit 10 Jahren existierende jüngste, aber zahlenmäßig inzwischen sehr bedeutende Abteilung wurde von unserem engagierten Übungsleiter der Schwimmer, Harald Höbusch, ins Leben gerufen. Immer mehr durch Diabetes, landläufig als „Zuckerkrankheit“ bezeichnet, in ihrer körperlichen Leistungs-fähigkeit eingeschränkte Mitglieder konnten für sportliche Betätigung gewonnen werden.

Soweit wir bei der Geschichte des Vereins die eine oder andere zu erwähnende Person vergessen haben sollten, oder auch bedeutsame Ereignisse nicht mit der gebotenen Würdigung erwähnt haben, bitten wir um Nachsicht.
Für die von der Stadt Ingolstadt über all die Jahre gewährte ideelle und finanzielle Unterstützung gilt unser Dank den verschiedenen Verantwortlichen der Stadt, vor allem auch dem Leiter und den Mitarbeitern beim Sportamt, die unserem Verein auch immer bei der Reservierung der Sportstätten behilflich waren und sind, sowie insbesondere auch lange Jahre dem früheren Oberbürgermeister Herrn Peter Schnell; und auch dem derzeitigen Oberbürgermeister Alfred Lehmann.