Der Verein

 

Entwicklung seit der Gründung im Jahr 1957:


Sportbegeisterte Kriegsbeschädigte trafen sich bereits des Öfteren im damaligen Volksbad, um zumindest gemeinsam Schwimmen zu können.

Mehr als zehn Jahre nach Kriegsende machten diese vom Krieg versehrten Kameraden trotz, oder gerade wegen ihrer Behinderung Gedanken, wie man bei Sport, Spiel und Geselligkeit mehr vom Leben haben könnte.

Schon damals stellten sie fest, dass doch noch sehr viele Hemmungen abgebaut werden mussten und dass die Kraft dafür in der Gemeinschaft liegt. Die Lösung hierfür konnte nur heißen, einen eigenen Verein ins Leben rufen.

 

Was ist vom Anfang überliefert?

Für diese Gemeinschaft brauchte man sportbegeisterte Kameraden, die aber auch bereit waren, ein wenig Büroarbeit und Formalitäten zu erledigen. Erste Starthilfe gab dazu der VdK, der mehr Übung hatte, Verwaltungskram zu erledigen und Verbindungen mit Behörden zu schaffen. Anton Binner gab sich große Mühe, die ersten Verbindungen mit dem Bayerischen Versehrten-Sportverband, Versorgungsamt und mit anderen staatlichen Stellen aufzunehmen. In der gleichen Zeit nahm Alfred Hermann Kontakte mit der Stadt Ingolstadt auf. Die Gemeinschaft brauchte Übungsplätze, um einen geregelten Sportbetrieb aufnehmen zu können. Neben dem Schwimmen sollte bald auch Tischtennis angeboten werden.



Daneben brauchte man auch die notwendigen Sportler. Diese fand man durch persönliche Ansprache und auch dadurch, dass beim VdK und dem Reichsbund für Kriegs- und Zivilbeschädigte geworben wurde.

 

Wahl der 1. Vorstandschaft:

Endlich kam es zur ersten offiziellen Zusammenkunft. Sie fand am 25. Juli 1957 in der Gaststätte Drei Mohren statt. An diesem Abend waren immerhin 30 Interessenten erschienen und von diesen gab der größte Teil seine Zustimmung, einen eigenen Verein ins Leben zu rufen. Daher wurde noch am gleichen Abend eine provisorische Vorstandschaft gewählt. Diese setzte sich zusammen:

Vorsitzender: Anton Binner ; Stellevertreter: Alfred Hermann ;

Schriftführer Gerhart Schmitt ; Kassier: Georg Angene ;

Sportwart: Willi Obermeyer.

 

Wenige Wochen danach kam es zur Gründungsversammlung, damals als VSV, in der auch der Bezirksvorsitzende von Oberbayern, Dr. Kurt Rudhart anwesend war. Bei der Wahl der endgültigen Vorstandschaft wurden do.g. Sportkameradenbestätigt.

 

Dem Verein standen in den ersten Wochen noch keine Übungsstätten zur Verfügung. Wieder konnte der VdK helfen und zwei kleine Räume bereitstellen, so dass wenigstens Tischtennis angeboten werden konnten. Die Freude, spielen zu können war aber nur von kurzer Dauer, denn diese Räume wurden bald danach anderweitig vermietet. Zum Glück hatten inzwischen die Verhandlungen mit der Bundeswehr Erfolg gebracht und die TT-Freunde konnten in die Kaserne an der Manchinger Straße umziehen. Hier war genügend Platz, um auf mehreren Tischen üben zu können.

 

Dank dieser günstigen Voraussetzungen konnten die TT-Spieler ihre Leistungen steigern, so dass es auch möglich war, an Turnieren teilzunehmen. Mit viel Freude und ein wenig Stolz wurden die ersten Siege heimgebracht. Hiermit war erwiesen, dass durch "Sich-selbst-besiegen", durch Anspannung aller körperlichen und geistigen Kräfte, auch dem Behinderten sportliche Erfolge möglich sind. Unvergessen bleibt der TT-Wanderpokal, welcher lange Jahre in der Pionierkaserne ausgetragen wurde.


Auch die Stadt Ingolstadt kam den Versehrten entgegen, indem sie dem Verein kostenlos Turnhallen und Schwimmbecken zur Verfügung stellte. Dadurch konnte der Verein sein sportliches Angebot vergrößern. Schwimmen, Gymnastik und Sitzball kamen hinzu.

 

Schwimmen hatte zunächst die größte Anziehungskraft. Schon bei den ersten Übungen war ein großer Andrang. Die Beliebtheit des Schwimmens hielt alle Jahre hindurch an bis in die heutige Zeit. Der Sport im Wasser hat Gott sei Dank nach wie vor große Anziehungskraft für Alt und Jung. Dem Verein war es gelungen für diesen Sport geeignete Übungsleiter zu gewinnen. Lange Jahre dirigierte Herr Werner Leicht die Wasserratten.

Danach hat Harald Höbusch ebenfalls viele Jahre engagiert  die Abteilung betreut und geleitet.

Aktuell haben wir mit Martin Schweiger einen guten Geist, der von Barbara Dittrich mit Wassergymnastik tatkräftig unterstützt wird.

 

Alle Übungsleiter, ganz gleich welcher Sportart, wurden und werden laufend auf Kursen und Lehrgängen geschult. Der Verein kann sich glücklich schätzen, auch heute noch - oder wieder - ein knappes Duzend fachlich ausgebildeter Übungsleiter und darüber hinaus auch weitere ehrenamtliche Helfer in den Reihen zu haben.

 

Eine Sportart, welche eigens für Behinderte geschaffen wurde, ist Sitzball, besonders geeignet für Beinamputierte. Mit welcher Begeisterung und Hingabe die Sitzballer bei der Sache waren, zeigte sich darin, dass Spieler bis zu 30 Kilometer nach Ingolstadt gefahren sind, um ja keinen Übungsabend auszulassen. Das Interesse für diese Sportart hat inzwischen nachgelassen, bzw. sind die aktiven Teilnehmer der Anfangsphase inzwischen zu alt geworden, so dass sich diese Abteilung leider aufgelöst hat.

 

Auch eine weitere Abteilung aus den Anfängen gibt es nicht mehr,  der Sport unserer Blinden. Es hat Jahre gegeben, in denen diese Gruppe besonders stark war, und in denen bei Wettkämpfen beachtliche Erfolge errungen wurden.

 

Der Verein hat über Jahre kontinuierlich neue Mitglieder bekommen es wurden eine Reihe weiterer Abteilungen gegründet. Leider lässt der Aufschwung im neuen jahrtausend nach und die Mitgliederzahlen sind trotz mancher Neuzugänge inzwischen unter die 200er Marke resunken.



Im Jahre 1989 wurde eine eigene Rollstuhlsport-Abteilung gegründet. Initiator war der durch seine vielen sportlichen Erfolge im Schwimmen und Monoski bekannte Peter Wiedemann, der dann zum Abteilungsleiter gewählt wurde. Die hauptsächlich betriebene Sportart dieser Abteilung ist Rollstuhlbasketball.

Um 2010 fast aufglöst hat sich inzwischen wieder eine engagierte Truppe gefunden, die seit der Saison 2014 wieder erfolgreich am Ligabetrieb teilnimmt.

 

Nachdem gerade für die Senioren Radfahren und Wandern immer beliebter wurden, gründete der BVSV Ingolstadt 1994 ebenfalls eine eigene Abteilung, die von Heiner Langermeier geführt wurde. Der Verein kaufte vier Tandems, um auch den blinden Sportlern eine weitere, neue sportliche Möglichkeit zu bieten. Nachdem leider inzwischen kaum noch blinde Mitglieder beim Verein sind und diese auch ihre Aktivitäten eingestellt haben, wurden die Tandems wieder verkauft. Altersbedingt ist leider auch die Abteilung der Radfahrer in der Zwischenzeit stark geschrumpft und engagiert sich mehr der Fortbewegung zu Fuß.



Geselligkeit im eigenen Heim

Die gemeinsame Teilnahme von Menschen mit Handicap am gesellschaftlichen Leben ist das Hauptanliegen des Vereins. Wo besser als im Sport lässt sich das erreichen. Dabei darf aber auch die Geselligkeit, das gemütliche Beisammensein nicht zu kurz kommen. Jahrelang standen dafür die Räume des Schwabenbräus zu Verfügung. Auch die TT-Abteilung konnte dort trainieren. 

Aber zuerst musste diese Anlage einmal gründlich instandgesetzt werden. Über Jahre fanden dort Faschingsveranstaltungen und Nikolausfeiern statt. Viele Mitglieder haben etliche Stunden ihrer Freizeit dafür geopfert, um in den Räumen gemütliche Stunden verbringen zu können, bis auch diese Räume zu unserem Leidwesen wieder freigemacht werden mussten.

 

Erst 1974 konnte der Verein endlich in das auch heute noch bestehende Vereinsheim an der Friedhofstraße in denGewölben des alten Festungsbauus des Kavalliers Zweibrücken einziehen.

 

Die TT-Freunde können seither dort auf zwei Platten üben, wann sie Lust und Liebe dazu haben. Und in liebevoller Arbeit haben die Mitglieder das „Stüberl“ hergerichtet, um dort in gemütlichen Stunden zur Festigung des Zusammenhalts beisammensitzen zu können. Die vielen Pokale und Wimpel, die bei sportlichen Begegnungen errungen wurden, schmücken die Wände über den gemütlichen Sitzecken. Und auch dem "Denksport", in Form des Kartenspielens, war jetzt eine Möglichkeit geboten. Dank der unermüdlichen Bemühungen unseres zweiten Vorsitzeden Johann Rasch, der leider im Frühjahr 2013 viel zu früh verstorben ist, haben wir in unserem Vereinsheim seit einigen Jahren inzwischen auch modernen Komfort; einen trittsicheren und sporttauglichen Boden und auch behindertengerechte Toiletten und Duschen.



Da die Kriegsbeschädigten Mitglieder immer weniger wurden, musste sich die Vorstandschaft Gedanken machen über die weitere Entwicklung des Vereins. Immer mehr Zivil- und Unfallbehinderte wurden aufgenommen und bestimmten das sportliche Geschehen. Damit verbunden war die Umbenennung des Versehrten-Sportvereins „VSV“ in Behinderten- und Versehrten-Sportverein Ingolstadt - „BVSV“ im Jahre 1987.

 
Nach über 20 Jahren Aufbauarbeit legte der 1. Vorsitzende Hans Hagn sein Amt nieder und wurde auf Grund seiner langjährigen und erfolgreichen Tätigkeit zum EHRENVORSITZENDEN gewählt. Sein Nachfolger wurde 1989 der bisherige zweite Vorsitzende Albert Fink, der nach sechs Jahren aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr kandidierte. So wurde bei der Mitgliederversammlung 1995 der TT-Abteilungsleiter Heinz Maraun zum 1. Vorsitzenden gewählt, der dieses Amt ebenfalls 6 Jahre unermüdlich bekleidete, um es dann im Jahr 2001 an den jetzigen Vorsitzenden, Gerhard Gmeiner, zu übergeben.



Jugend
Dank des Geschicks von Heinz Maraun, der den jetzigen 1. Vorstand Gerhard Gmeiner bereits im Jahr 1997 als Jugendabteilungsleiter gewinnen konnte und den sportlichen Rollstuhlfahrern Gustav Gross, Peter Wiedemann und später auch Frank Westenberger gelang es auch den Nachwuchs, insbesondere im Rollstuhlsport zu fördern. Über das Schwimmen und durch eine Gemeinschaft von Eltern mit behinderten Kindern kam bis ins Jahr 1999 bereits eine ansehnliche Schar junger Behinderter zusammen, die gemeinsam Sport betrieben. Seither gibt es das inzwischen tradtitionsreiche Ingolstädter Rollstuhlhandballturnier und dask der Tochter des aktuellen Vorstandes, Veronika Wiedl, werden die jungen Menschen mit Handicap liebevoll betreut. Ein Teil sind auch heute als junge Erwachsene dem Sport noch treu geblieben.


Diabetes-Sport
Die ebenfalls inzwischen schon seit 20 Jahre existierende zahlenmäßig sehr bedeutende aktive Abteilung wurde von unserem engagierten Übungsleiter der Schwimmer, Harald Höbusch, ins Leben gerufen. Immer mehr durch Diabetes, landläufig als „Zuckerkrankheit“ bezeichnet, in ihrer körperlichen Leistungsfähigkeit eingeschränkte Mitglieder konnten für sportliche Betätigung gewonnen werden. Mittlerweile wird die Gruppe nach dem Tod von Harald Höbusch von der Übungsleiterin Angelika Gmeiner geleitet.

 

Sie gründete im Herbst 2012 auch eine weitere Gruppe: Lungensport. Hier treffen sich derzeit etwa 10 bis 15 aktive Sportler, die aufgrund ihrer Einschränkungen der Lungenfunktion nur leichte Bewegungen ausführen können. Oftmals sind die Sportler nach den Übungsstunden aber besser bei Puste als vorher und es ist immer eine lustige Stunde und der Verein freut sich über diese neue Abteilung. 

 

Und auch im Jahr 2013 konnten wir nochmals eine Erweiterung unseres Sportangebotes vermelden. Eine Gymnastikgruppe zur Stärkung und Verbesserung der Rückenmuskulatur und der Wirbelsäule kommt jeden Montag Abend zusammen.

 

Hoffen wir, dass der Verein noch lange Jahre die Gemeinschaft von Menschen mit und ohne Handicap fördern kann und somit Sort für Jedermann, für jung und alt in dem Rahmen anbieten kann, bei denen manch andere Vereine an ihre Grenzen stossen.

 

Soweit wir bei der Geschichte des Vereins die eine oder andere zu erwähnende Person vergessen haben sollten, oder auch bedeutsame Ereignisse nicht mit der gebotenen Würdigung erwähnt haben, bitten wir um Nachsicht. 

 

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